Europäische Millionenförderung für Göttinger Neurowissenschaftler

5. November 2020

Zwei Göttinger Forscher erhalten hoch angesehene Synergy-Grant-Förderung des Europäischen Forschungsrats. Sechs Millionen Euro europäischer Förderung gehen an den Göttingen Campus.

Die Göttinger Professoren Silvio Rizzoli, Direktor des Instituts für Neuro- und Sinnesphysiologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), und Nils Brose, Direktor der Abteilung für Molekulare Neurobiologie am Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin, gehören zu den in diesem Jahr ausgezeichneten Empfängern hoch-kompetitiver ERC-Grants. Beide werden ab 2021 durch das EU-Eliteförderprogramm ERC-Synergy-Grants unterstützt. Insgesamt fließen bis zum Jahr 2026 über sechs Millionen Euro an den Göttingen Campus.


Der Europäische Forschungsrat (ERC) ist die führende Europäische Förderorganisation für Grundlagenforschung und vergibt die Synergy-Grants an Forscherteams für bahnbrechende, risikoreiche Forschungsprogramme, die nicht von einzelnen Labors bewältigt werden können. In diesem Jahr wurden aus europaweit 441 Bewerbungen nur 33 für eine Förderung ausgewählt.


Prof. Silvio Rizzoli stehen zusammen mit dem Biophysiker Prof. Dr. Markus Sauer vom Biozentrum der Universität Würzburg und dem Neurowissenschaftler Prof. Dr. Ed Boyden vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, USA, insgesamt 11 Millionen Euro für ihr Vorhaben 'ULTRARE-SOLUTION' zur Verfügung. Zusammen wollen die Wissenschaftler neue höchstauflösende Mikroskopiemethoden entwickeln, um den Aufbau von Nervenzellen zu analysieren. Dazu kombinieren sie so genannte superauflösende Mikroskopietechniken mit einer neuen Methode zur gleichmäßigen physischen Ausdehnung der zu untersuchenden Proben. „Unser Ziel ist es, Zellstrukturen abzubilden, die mit gängigen Methoden bisher nicht auflösbar sind“, sagt Silvio Rizzoli.


Mit insgesamt 10 Millionen Euro werden Prof. Nils Brose, die Neurowissenschaftlerin Prof. Dr. Anne Schäfer vom Mount Sinai Hospital in New York sowie die Neurobiologen Prof. Dr. Thomas Oertner vom Institut für Synaptische Physiologie der Universität Hamburg und Prof. Dr. Antoine Triller vom Institut für Biologie der Ecole Normale Supérieure in Paris gefördert. Ihr Forschungsprojekt 'MICRO-COPS' fokussiert auf Mikrogliazellen, Immunzellen, die für ihre Rolle als 'Müllabfuhr' im Gehirn bekannt sind. Brose und seine Mitstreiter wollen die bisher unerforschte Funktion dieser Zellen bei der Kontrolle von Nervenzellschaltkreisen untersuchen.


„Dass unter den europaweit nur 33 Synergy-Grants gleich zwei sind, die in Göttingen initiiert wurden, ist eine fantastische Auszeichnung für unseren neurobiologischen Wissenschaftsstandort“, sagt Nils Brose. „Diese Mittel geben uns die Möglichkeit, ganz neue Themengebiete zu erschließen.“


„Nils Brose und ich kooperieren bereits seit Jahren und leiten zusammen den DFG-Sonderforschungsbereich Quantitative Synaptologie, in dem wir uns mit der Biologie von Synapsen befassen, über die Nervenzellen miteinander kommunizieren. Die beiden Synergy-Grants sind ein Beleg für die hohe internationale Reputation der Neurowissenschaften am Forschungsstandort Göttingen“, sagt Silvio Rizzoli.


ZUR PERSON


Prof. Dr. Silvio Rizzoli, Direktor des Instituts für Neuro- und Sinnesphysiologie der UMG, erhält bereits seinen dritten ERC-Grant. Rizzoli ist zudem Sprecher des SFB 1286 'Quantitative Synaptologie' und Sprecher des 'Center für Biostructural Imaging of Neurodegeneration' (BIN) der UMG. Vor der aktuellen Auszeichnung mit dem ERC-Synergy-Grant hat er bereits zwei weitere hochdotierte Förderungen durch den Europäischen Forschungsrat erhalten, 2008 einen ERC-Starting-Independent-Researcher-Grant und im Jahr 2013 einen ERC-Consolidator-Grant.


Prof. Dr. Nils Brose, Direktor der Abteilung für Molekulare Neurobiologie am Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin, Göttingen, ist zudem stellverterender Sprecher des SFB 1286 'Quantitative Synaptologie'. Vor der aktuellen Auszeichnung mit dem ERC-Synergy-Grant hat er bereits im Jahr 2015 eine Förderung über einen ERC-Advanced-Grant durch den Europäischen Forschungsrat erhalten.

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