Zwei Göttinger Max-Planck-Institute werden eins

Neues Institut verbindet Naturwissenschaften und medizinische Forschung

15. März 2021

Die Max-Planck-Institute (MPI) für biophysikalische Chemie und für Experimentelle Medizin werden sich zusammenschließen. Die Entscheidungsgremien der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) haben dem von den beiden Instituten vorgelegten Plan am 12. März zugestimmt. Formal werden beide Einrichtungen geschlossen und ein neues MPI gegründet. Die bisherigen Göttinger Standorte in der Hermann-Rein-Straße und am Faßberg bleiben bestehen. Das zukünftige, deutlich größere Institut wird naturwissenschaftliche und medizinische Grundlagenforschung zusammenbringen, disziplinäre Vielfalt und Zusammenarbeit fördern und die Ausbildung der nächsten Generationen von exzellenten Forscherinnen und Forschern vorantreiben. Die Institutsgründung ist für den 1. Januar 2022 geplant.

„Das neue Max-Planck-Institut soll von außergewöhnlicher wissenschaftlicher Breite sein. Das Fächerspektrum wird von Physik und Chemie über Struktur- und Zellbiologie bis hin zu Neurowissenschaften und biomedizinischer Forschung reichen. Derart aufgestellt kann sich das Institut in der internationalen Forschungslandschaft besser als zuvor positionieren. Die naturwissenschaftliche Grundlagenforschung kann sich so noch effektiver mit medizinischen Forschungsansätzen vernetzen“, berichtet Marina Rodnina, Geschäftsführende Direktorin des MPI für biophysikalische Chemie. „Die Erweiterung der Forschungsthemen, von naturwissenschaftlichen Grundlagen bis zu translationaler präklinischer Forschung, wird uns die nötige wissenschaftliche Flexibilität bieten, die brennendsten naturwissenschaftlichen Fragen des 21. Jahrhunderts anzugehen“, ergänzt Nils Brose, Geschäftsführender Direktor am MPI für Experimentelle Medizin.

Das neue Forschungsinstitut wird insgesamt 16 Abteilungen haben, die jeweils von einer Direktorin oder einem Direktor geleitet werden. 13 Abteilungen werden am Faßberg-Standort, 3 am „City-Campus“ in der Hermann-Rein-Straße angesiedelt sein. Damit wird das neue Institut bis auf Weiteres das größte der MPG sein. Alle bestehenden wissenschaftlichen Gruppen, Serviceeinrichtungen und die Verwaltung mit ihren jeweiligen Budgets werden in das zukünftige MPI integriert. „Dies ermöglicht uns, vielfältige Synergieeffekte zu nutzen. Dennoch wird aufgrund des Zusammenschlusses niemand von den derzeitigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seinen Arbeitsplatz verlieren“, betont Brose. „Der Name für unser zukünftiges Institut ist noch nicht festgelegt. Wir diskutieren bereits geeignete Vorschläge“, berichtet Rodnina.

Idealer Standort für multidisziplinäre Forschung

„Wir wollen das neue Göttinger Max-Planck-Institut zu einem noch attraktiveren Ziel für herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler machen“, sagt Nobelpreisträger Stefan Hell, Leiter der Abteilung NanoBiophotonik am MPI für biophysikalische Chemie. „Das breitere Fächerspektrum wird es uns ermöglichen, unentdeckte Talente auf allen Karrierestufen und aus einer Vielzahl von Disziplinen zu rekrutieren. Vor allem wollen wir diejenigen jungen Forschenden gewinnen, deren Ansatz verspricht, die Richtung der Wissenschaft grundlegend zu verändern. Deren Enthusiasmus und frisches, kritisches Denken sind die wichtigsten Triebkräfte des Fortschritts. Dies ist einer der Hauptgründe, warum sich alle Direktorinnen und Direktoren beider Institute für den Zusammenschluss einsetzen. Es gibt in Deutschland nur ganz wenige Orte, an denen ein solch multidisziplinär aufgestelltes MPI eingerichtet werden kann. Göttingen ist ohne jeden Zweifel ein solcher Standort“, betont der Physiker. 

Gemeinsame Pressemitteilung der Max-Planck-Institute
für biophysikalische Chemie und für Experimentelle Medizin

Über das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie

Für das MPI für biophysikalische Chemie wiederholt sich mit dem Zusammenschluss ein zentrales Ereignis seiner fast 50-jährigen Geschichte. Diese reicht zurück bis zum einstigen Kaiser-Wilhelm-Institut für physikalische Chemie in Berlin, das Karl Friedrich Bonhoeffer 1949 als MPI für physikalische Chemie in Göttingen wieder aufbaute. Initiiert von Nobelpreisträger Manfred Eigen entstand 1971 das heutige MPI für biophysikalische Chemie durch die Fusion des MPI für physikalische Chemie mit dem damals ebenfalls in Göttingen ansässigen MPI für Spektroskopie.

Über das Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin

Das MPI für Experimentelle Medizin wurde 1947 als Medizinische Forschungsanstalt der noch existierenden Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft gegründet und 1948 in die neu gegründete MPG integriert. Seit 1965 ist es unter seinem heutigen Namen in der Hermann-Rein-Straße gegenüber der Universitätsmedizin Göttingen angesiedelt. Seit Ende der 1990er Jahre liegt der Forschungsfokus des Instituts auf den Neurowissenschaften, wobei ein besonderes Augenmerk sowohl auf grundlegende molekulare und zelluläre Prozesse im Nervensystem als auch auf deren pathologische Störungen gerichtet ist. 

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